Mamastress – mamasstärkenmamas

Nach einem gestressten Start in den Tag, weil der morgendliche Aufbruch der Familie – mal wieder – überstürzt und zeitkritisch war saß ich frustriert mit meinem ersten Kaffee am Tisch, statt einem Frühstück das Handy in der Hand um mich von schönen instagram Bildern trösten zu lassen.

Und da war es plötzlich, das Wort, das mir sofort ins Auge sprang: MAMASTRESSLEVEL.

Es hätte keinen passenderen Start für die Mamachallenge von Leandra Vogt für mich geben können. Die Aufgabe für die ersten zwei Tage war, das eigene Stresslevel auszuloten. Meines war an diesem Morgen ja schon ziemlich ausgereizt, kaum dass der Tag für mich älter als 1,5 Stunden war. Also ein perfekter Aufhänger, sich Zeit zu nehmen, zurückzulehnen und mal zu horchen. Die Kaffeepause brachte mich zumindest schon zu einer schnellen Erkenntnis: wenn mein Zeitwahrnehmung mit der restlichen Familie an diesem Morgen überhaupt nicht zusammenpasste, was mich total gestresst hat.

Was war eigentlich passiert? Im Grunde, sind wir viel zu spät aufgestanden, weil es viel mehr Spaß macht, mit der Tochter zu kuscheln, als durchs nachtkühle Haus zu stiefeln und zu lüften. Es ist viel unterhaltsamer, den Sohn in seine Zeitschrift vertieft zu sehen und hochwichtige Lego StarWars Gespräche zu führen, als alleine, Gemüse schnippelnd vor zwei Brotzeitboxen zu stehen, die befüllt werden wollen. Und es ist erstaunlich, wie schnell man in solchen „cozy moments“ verdrängt, dass man doch eigentlich schon früher aufgestanden sein wollte, weil noch so viele zusätzliche Dinge auf dem Programm standen.

Natürlich musste das Auto freigekratzt werden, schließlich wohnen wir in Bayern und es ist Winter. Außerdem wollten fast ein Dutzend Kartons ins Auto geladen werden, weil Nachmittags eine Fahrt zur Kleiderkammer anstand. Beim Lieblingsbäcker war Kuchen für das Büro bestellt, der noch vor dem Abladen der Kinder eingesammelt werden sollte. Alleine das wäre schon ein Grund gewesen, deutlich früher im Auto zu sitzen, als gewöhnlich.

Und so fegte schon morgens ein Sturm hier durchs Haus. Während ich Kisten ins Freie schleppe und  Kofferaum-Tetris spiele, ermahne ich die Kinder sich anzuziehen. Das Frühstück wartet. Irgendwann trudelt die Tochter in der Küche ein, ich habe die Handschuhe inzwischen gegen Paprikaschote und Küchenmesser getauscht. Der Sohn erscheint ebenfalls, immerhin angezogen, wenngleich auch anders als geplant. Irgendwie war einfach viel mehr doch ein blauer Bärentag, als ein orangefarbener Kipplastertag. Immerhin durfte die Monstertruckhose bleiben. Weil die Stimmung eh schon angspannt ist, gibt es zu allem Überfluss noch Tränen wegen zuviel Milch im Müsli, einem zerplatzten Luftballon und der Unwilligkeit sich die Haare zu kämmen, die ja auch ohnehin wieder beim Toben zerzausen…

So waren wir alle gereizt, als Drei von uns Vieren endlich im Auto saßen und sich auf den Weg machen konnten. Ich hasse solche Tage.

Im Laufe der nächsten Stunden kehrte ich immer wieder in Gedanken zu diesem völlig vermasselten Start zurück. Mamastress… Warum ist es mir so extrem wichtig, alle pünktlich auf den Weg zu bringen? Ich bin ja nichtmal selbst diejenige, die als Konsequenz zu spät auf der Arbeit erscheint.

Mittlerweile sehe ich, es sind die eigenen Ansprüche, die in dem Fall einfach zu hoch gegriffen waren. Ich hätte einen Gang zurückschalten sollen, Hilfe einfordern und im Zweifel auch mal ein „Dann eben nicht“ einladen können. (Danke Antonia) Es fällt mir leicht, effiziente Abläufe für zeitkritische Situationen zu finden. Allerdings ist mein Umfeld dann oft mit meiner schnelleren Taktung überfordert. Warum auch soll auch ein Dreijähriger verstehen, warum es so fürchterlich dringend ist, sich schnell anzuziehen, wenn es ihm doch viel wichtiger ist, alleine – falsch herum – in die Stiefel zu schlüpfen, weil sich so viel lustiger laufen lässt.

Ich weiß, dass mein Verständnis von Pünktlichkeit nicht immer deckungsgleich ist mit dem der restlichen Familie. Ich kann versuchen das einzuplanen, aber es hilft nicht, wenn ich dabei übesehe, dass es vielleicht auch andere Wege gibt, ans Ziel zu kommen. Doch im Nachgang sind das gar nicht nicht einzigen Momente, die mich stressen. Auch wenn ich mit dem deutlichen Luxus lebe, z.B. selten kritische Abgabetermine einhalten zu müssen, da ich mir die Arbeit selbst einteilen kann.

Ich setze mich selbst oft auch unter Druck, wenn ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde. Ich nehme mir vieles vor, dann haut irgendetwas dazwischen und mein Sturkopf ist kurz aus der Bahn geworfen. Habe ich zu wenig Zeit einkalkuliert? Hätte ich es doch anders machen sollen? Auch unschön: aus Arbeitsabläufen herausgerissen zu werden, wieder und wieder – gefühlt – von Vorne beginnen zu müssen. An manchen Tagen stecke ich das besser weg als an anderen. Eine deutliche Rolle dabei spielt mein eigenes Energielevel. Bin ich ausgeschlafen? Hatte ich vor dem Sprung in den Alltag genug Ruhe für mich? Oder sind die Energiereserven aufgebraucht? Habe ich zu knapp geplant? Was ist davon wirklich Stress und was Wut darüber, dass irgendetwas nicht klappt, wie ich mir das als Sturkopf vorgestellt habe?

So habe ich mir vorgenommen, das erste Klingeln des Weckers nun dazu zu nutzen wirklich aufzustehen. Dann habe ich eine halbe Stunde nur für mich. Eine halbe Stunde um in Ruhe ins Bad zu gehen, einen Kaffee aufzusetzen, oder den Frühstückstisch zu decken. Damit kann ich zumindest für diesen potentiell gefährdeten Morgen entzerren und vielleicht für alle etwas beruhigen. Und vielleicht kann ich dann auch entspannt den Kindern zuschauen, wie sie Spuren im Schnee ziehen, anstatt sich ins Auto zu setzen oder noch schnell ihre Trollfalle kontrollieren müssen, bevor es los geht…

Nehmt Euch Zeit für ein Vogelzwitschern heute. Sandra

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2 Gedanken zu “Mamastress – mamasstärkenmamas

  1. Hm – wahre Worte! Kann ich so unterschreiben. Je gestresster ich war – als einzige auch den Plan kennend, desto eckiger wurden die Kinder. Jetzt bei 13 und fast 9 habe ich da andere Probleme… Gut ist es – innezuhalten und manchmal einfach ein Stop einzulegen! In diesem Sinne wünsche ich ein entspanntes Wochenende!

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    • Ganz lieben Dank. Du hast noch einen weiteren wichtigen Punkt getroffen: „als einzige auch den Plan kennend“. Oft bin ich so in meiner Organisiererei gefangen, dass ich vergesse, dass ja auch Mann und eine Tochter im Vorschulalter habe, denen es hilft, zu wissen, wohin die Reise geht.

      Auch Dir wünsche ich ein schönes Wochenende – ohne Stress und Sorgen. Sandra

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