Prater, Kunst & Literaturtour

Auch wenn aktuell Pfingstferien sind, liegt unsere letzte Reise eine kleine Weile zurück. Wir waren Ende April unterwegs in Wien. Wir: zwei Kinder, sieben Erwachsene, die noch nie zuvor gemeinsam unterwegs waren. Das einzige vereinende Element? Unsere literarischen Treffen alle 6 Wochen. Wir waren uns also nicht fremd – treffen wir uns doch seit 5 Jahren regelmäßig – aber wir waren auch noch nie länger als ein paar Stunden am Tag zusammen. Oho, ich habe mich total auf die Reise gefreut und hatte doch auch einige Skepsis im Gepäck. Die Anreise mit der Bahn in nur wenigen Stunden war auch mit Kindern und bei Regenwetter gut machbar. Regensburg – Wien, ein Katzensprung. Unsere Unterbringung, ein Traum. Wir haben in zwei Appartements der alga Vienna Style übernachtet und sind damit mehr als zufrieden gewesen. Wir als Familienkleeblatt bekamen das kleinere von beiden, das immer noch unverschämt viel Platz bot, so dass wir uns erstmal etwas verloren vorkamen und zugleich völlig überwältigt von der Schönheit der Lage und Ausstattung.

 

Der Blick aus den Fenstern bot uns einerseits die Hundertwasserfassade des Kunsthauses Wien, andererseits die Donau mit dem Praterriesenrad hinter der nächsten Häuserzeile. Für uns gab es keinen bessern Ort als Basis für sämtliche Erkundungen. Und da es nicht aufhören wollte zu regnen, eroberten wir nach dem gemeinsamen Einkauf für das bevorstehende Abendessen erstmal unseren Nachbarn, das Kunsthaus.

0428_1430 kunsthaus wien saum&seligkeitEin Museum, das schöner kaum sein kann. Auch und gerade für Kinder ein guter Einstieg. Die organischen Böden mit lauter Schwellen und keiner einzigen geraden Diele. Bäume, die in den Fassaden wachsen und eigene Balkone haben. Säulen, gemauerte Fensternischen in den Wänden. Wasserspiele, glänzende Kacheln und Bilder, die so bunt und phantasievoll sind und aus sich heraus leuchten. Unsere Reiselauser (fast 3 und 5) waren jedenfalls auch begeistert. Nicht nur von den bewegten Bildern, die aus dem Leben des „Kapitäns“, wie beide ihn nannten, erzählte. Was wir verpasst haben, es hätte eine Kinderbox zum Ausleihen an der Kasse gegeben, um das Museum noch unmittelbarer zu erfahren. Wir haben uns im Museumsshop aber mit Postkarten versorgt und werden daheim die Malstifte und Wachskreiden bestimmt noch das eine oder andere Mal auspacken, um „bunte Strichblumen“ zu zeichnen.

Was für beide zu anstrengend wurde war der zusätzliche Besuch einer Fotoausstellung im selben Haus. Zu viel Input, zu anderes Thema. Und rennen konnte man auch nicht mehr großartig durch die Räume. Wir waren jedenfalls auch von Edward Burtynsky „Wasser“ beeindruckt. Es ist faszinierend, welche Einschnitte Wasser – und Menschen die es nutzen – auf unserem Planeten hinterlässt. Ausklingen ließen wir den Abend bei Pasta und Wein im großen Appartement, bevor wir dann müde, aber glücklich ins Bett fielen.

Unter die Lupe genommen wurde vorher von mir noch kritisch ein Mitbringsel aus dem Museumsshop. Bereits im Vorfeld war ich auf der Suche nach einem Kinderreiseführer für Wien, bin aber nicht zufriedenstellend fündig geworden. Im Shop bin ich dann über den „Reisekönig“ gestolpert. Ein wirklich schön illustriertes Buch für Kinder ab etwa 4 mit Tipps für Sehenswürdigkeiten in Wien. Der Clou ist hinten eine Sammeltasche für Postkarten, Servietten, Eintrittskarten und und und, was sich noch alles so findet. Er wurde uns ein treuer Begleiter auf unserer restlichen Tour. Und weil er uns so gut gefällt, verdient der kleine Bonner Verlag eigentlich mal einen eigenen Post. 🙂

 

Der nächste Tag führte uns nach ausgiebigem Frühstück zur Hofburg in den Prunksaal der Nationalbibliothek. Ein Punkt, den wir als Lesereisenden natürlich unbedingt abgrasen wollten. Es gab niemanden von uns, der nicht schon staunend Bilder von den hohen Decken mit riesigen Regalen alter Bücher angeschaut hätte. Auch das war mit Kindern noch gut machbar. Der Saal ist groß, aber nicht überfüllt. Man hat einiges zu schauen, hohe Treppen, alte Globen, ein paar Schaukästen mit Bildern. Man muss nur seine Finger im Zaum halten, um die alten Folianten nicht zu berühren.

 

Und wenn das zu langweilig wird, dann campiert man eben kurz mal auf dem Boden, macht mit Mama jede Menge Quatsch und schaut sich die Leute an, die ganz lustig aussehen, wenn sie mit dem Handy versuchen die Deckenfresken zu fotografieren…

Überhaupt. Fotos. Dies ist der erste Urlaub, bei dem meine heißgeliebte Canon nicht mit im Gepäck war. Wir haben uns auf viele Fußmärsche eingestellt, wollten aber keinen Buggy mitnehmen, den wir ohnehin schon vor langer Zeit abgeschafft hatten. So war klar, dass ich einen großen Teil der Zeit zumindest den Sohn im Tragetuch transportieren würde, was Fotografieren mit der Spiegelreflex nur unentspannt werden lässt. Also musste sie zu Hause bleiben und ich habe nur ein paar Fotos mit dem Handy gemacht. Ungewohnt. Anders. Aber auch näher am Erleben und den Kindern.

So haben wir uns dann zum Beispiel das Papyrusmuseum weitestgehend gespart und stattdessen vor der Hofburg in der Sonne gesessen, gepicknickt und Fiaker angesehen, bevor es dann zum Naschmarkt weiterging.

 

Klar, dass die Kinder gleich nach „richtigem“ Naschwerk Ausschau gehalten haben, während es uns hauptsächlich erstmal ums Mittagessen ging. Es gab viele bunte Entdeckungen zu machen. Allerdings probiert es sich ohne zwei müde Kinder im Schlepptau deutlich entspannter. So dass für uns schnell klar war, wir suchen uns einen ruhigen Platz und legen eine verdiente Pause ein. Die Tochter hat sich nicht nur in die rosafarbene Limo verliebt, sondern es auch geschafft zwei Stücke Schokotarte zu verputzen. Urlaub pur. 🙂

Gemeinsames Nachmittagsprogramm war dann wieder ein Museum. Dieses mal ein ausgesprochenes Kleinod für Erwachsene: das Dritte Mann Museum. Ein mit viel Herzblut zusammengetragenes Privatmuseum, das einen Besuch für jeden Filmfan und Interessierten der Nachkriegsgeschichte Wiens lohnt. Herzlich wurde nicht nur die kleine Reisegruppe empfangen. Die Kinder und ich haben auch einen absolut tollen Tipp für einen wunderbaren Spielplatz um die Ecke bekommen. Insiderwissen, das sich mehr als gelohnt hat! Selten sind knapp zwei Stunden so schnell vorbei gerauscht.

 

Abends ging es dann für uns direkt in den Prater. Zum Schauen und Staunen und Essen, während der Rest der Gruppe sich auf den Weg zu einer ganz besonderen Buchhandlung machten. Das phil. Eine Mischung aus Café, Buchhandlung und Kulturbetrieb und so viel mehr mit genau dem richtigen Retro Touch. Den Photos und Berichten nach ein Ort, den ich auch unbedingt noch erforschen möchte.

 

Es war für uns als Familie toll am frühen Abend durch den Prater zu schlendern. Es war nicht mehr/noch nicht voll, obwohl es Samstag war. Die beleuchteten Fahrgeschäfte übten überhaupt eine totale Faszination auf uns alle aus. Ich weiß nicht, wie lange wir gleich in Nachbarschaft zu dem Riesenrad standen, nur weil der Sohn wieder und wieder zuschauen wollte, wie die Wagen der „Wilden Maus“ von der Katze „gefressen“ werden. Mein letzter Besuch dort fand nachmittags statt. Auch schön, aber eine völlig andere Atmosphäre. Ich ziehe die Abendstunden für den Vergnügungsteil des Parks vor. Bei Sonnenschein ist es hingegen auch wundervoll einfach nur auf den ausgedehnten Wiesen zu liegen und zu picknicken. Auf jeden Fall einen Punkt auf jeder Wienreise wert.

0429_2019 toddler didymos saum&seligkeitAls wir gegen 20:30 Uhr müde, und völlig k.o. den Rückweg antraten, traf ein Teil unserer Reisegruppe erst ein, so dass wir uns knapp verpasst haben. Aber wir waren völlig geschafft. Die Tochter ist den ganzen Tag tapfer mit uns mitmarschiert und hat nur auf dem Rückweg ins Appartement die Waffen gestreckt. So war das größere Tragetuch nicht umsonst im Gepäck dabei, und die Tochter wurde flugs auf den Rücken gebunden. Herrlich, dass das auch noch mit fast 5 Jahren super funktioniert, wenn es muss. Der Sohn schlummerte ohnehin im Tuch bei Papa vor sich hin. Total geschafft, aber glücklich gab es für uns „Große“ noch einen improvisierten Kaffee zu Zweit vor der Couch zum Gedankensortieren und Revue passieren lassen. Ganz entgegen unserer Gewohnheit lagen aber selbst wir vor Mitternacht im Bett.

Der folgende Sonntag begann wiederum mit einem gemeinsamem Frühstück im großen Appartement und dem anschließenden Besuch der Strudelhof Stiege. Schließlich war das Werk Doderers eines der letzten, das wir uns vor dieser Reise vorgenommen hatten, um ein „bißchen“ Wiengefühl aufkommen zu lassen.

 

Und wieder trennten wir uns danach von unserer Gruppe. Der Sohn hatte von Museen genug und fing schon zu klagen an, wenn nur die Rede darauf kam, oder wir nur ansatzweise unschlüssig vor einem großen Gebäude stehen blieben. 🙂 Für uns ging es zu einem weiteren ganz wundervollen Spielplatz. Dem Arne-Carlsson-Park, wo wir wirklich tolle Familienzeit verbracht haben, wärend die anderen 5 Literaten zunächst das Bezirksmuseum Alsergrund besuchten und im Anschluß das Kunsthistorische Museum. Ein weiteres Museum auf der künftigen Besuchsliste für Wien. Vermutlich muss ich die Kinder aber erst mit einem Besuch im Naturhistorischen gegenüber „bestechen“. Ich bin mir sicher, echte Tiere, wenn auch präpariert, sind im Moment noch spannender als Gemälde und Skulpturen in der Menge.

0430_1245 wien aida saum&seligkeitFür uns ging es nach einer Stärkung in einem nahegelegenen, wundervollen Retro Café Aida wieder zurück zum Prater. Hatten wir doch den Kindern versprochen, Karrusell fahren zu dürfen. Und so stand uns ein Nachmittag voller Premieren bevor. Das erste Mal Zuckerwatte und Kettenkarussell für die Tochter. Das erste mal alleine Karusell fahren für den Sohn. Wir haben einen großen Teil unserer Reisekasse gerne im Wurstelprater gelassen. Leuchtende Kinderaugen nach aufregender Achterbahnfahrt und ganz viel Familienzeit sind einfach unbezahlbar. 0430_1626 prater wien zuckerwatte saum&seligkeitNatürlich gab es auch das derzeitige Lieblingsessen der Tochter, Wiener Schnitzel. Schön war, dass unsere Unterkunft auch wirklich gut fußläufig zum Prater lag. So dass wir – mal wieder satt und müde gegen 20:00 Uhr im Appartement ankamen. Nach verdienter Entspannung in der Badewanne waren wir dann auch wieder zeitig im Bett. Wir haben deutlich gemerkt, dass wir was das Tragen angeht aus der Übung sind. Um am nun dritten Tag mit deutlich über 10.000 Schritten haben unsere Knochen das auch gemerkt. 😀

Der Rest unserer Literaten hatte einen gemeinsamen Abend mit Essen und Aufführung im Burgtheater vor sich. Henry Millers Hexenjagd stand auf dem Programm. Nach leicht abenteuerlicher Rückfahrt ins Domizil (auch in Österreich ist der 1. Mai ein Feiertag, hier auch mit nächtlichen Demonstrationen)

Und dann war er auch schon wieder da. Der letzte Tag. Frühstücken, Koffer fertig packen und im Büro der Unterkunft verstauen lassen. 0501_1201 wien tragetuch toddler saum&seligkeitSohn verschnüren, wieder zur Hofburg. Heute stand das Training in der Spanischen Hofreitschule auf dem Programm. Das Gebäude beeindruckend. Eine wirklich majestätische Reithalle. Das Training selbst für Laien ausdauernd. Man sollte schon zumindest Pferdefan sein, sonst lohnt es sich eher nicht. Aber zumindest war auch das wieder ein gemeinsamer Termin, dem auch die Kinder mehr abgewinnen konnten als ich selbst.

Im Anschluß trafen wir uns mit Freunden einer unserer Mitreisenden, fuhren mit ihnen zurück zum Kunsthaus, und kehrten hungrig im Kulianrium ein. Dort fielen wir in großer Runde über herrliche Flammkuchen her und ließen gerne den Tag langsam ausklingen. Die Atmosphäre ist einfach toll dort. Ein Café mit Dschungelflair, kinderbunt, mit Hundertwasserböden und -wänden und Blick in den Himmel durch großflächige Glasdeckenfenster. Der Service war freundlich und schnell. Geöffnet ist  – unabhängig vom Museum – sogar täglich von 10:00 – 18:00 Uhr. Ein kleines Idyll inmitten der Stadt.

Die Rückreise verlief so entspannt, wie die Anfahrt. Es ist schon ein großes Glück, wenn man nicht mit Kind, Kegel und Gepäck umsteigen muss, um an seinem Ziel anzukommen. Ein absolutes Plädoyer für die Direktverbindungen der Bahn 😉

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Es war alles in allem ein sehr gelungenes Experiment. Ich danke unserer „Reiseleitung“ Susi, die alles so hervorragend geplant hat und immer – vor allem auch zeitlichen – Überblick behielt. Die Unterkunft war absolut bezaubernd, das Tages Ticket der Bim sinnvoll, An- und Abreisezeit perfekt. So konnten wir wirklich die Tage voll ausnutzen.

Ein ganz großes DANKESCHÖN auch an den Rest der Truppe. Trotz, dass wir im Grunde schon alle sehr verschieden sind, mit einem zum Teil großen Altersunterschied, haben wir eine sehr angenehme, stressfreie, respekt- und wertvolle Zeit miteinander verbracht.0501_2020 reisegruppe bahnhof saum&seligkeit.jpgVielen Dank, dass wir uns als Familie zeitweise ausklinken durften, Ihr aber ebenso geduldig ertragen habt, wenn die Kinder um Euch rumgeturnt sind. Es war wirklich ein großes Vergnügen diese Reise mit Euch zu unternehmen, die hoffentlich ein kleiner Vorgeschmack auf das war, was noch kommen mag. Schließlich haben wir auch noch Paris im Blick 😉


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2 Gedanken zu “Prater, Kunst & Literaturtour

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