This is not okay – ein Statement

Ausbeutung in der Textilindustrie. Leider immer wieder ein Thema. Susanne, Bloggerin von mamimade, hat eine wunderbare Aktion ins Leben gerufen, um auf schlechte Bezahlung und miserable Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Niedriglohnländern aufmerksam zu machen, die für unsere Modeschnäppchen ausgebeutet werden. Denn:TiNO_650

Was kann man schon dagegen tun? Mehr bezahlen ist offenbar auch nicht die Lösung, da auch durchaus große Modelabel billig produzieren lassen. Fairwear ist eine Alternative, bei der sich aber bisher viel zu wenig Modefirmen beteiligen. Die, die ich kenne und kaufe produzieren Funktions-, Sport- und Outdoorkleidung. Wenngleich praktisch, nicht immer alltagstauglich.

Aber wir leidenschaftlichen Näherinnen haben eine Möglichkeit. Selber nähen. Für unsere Kinder, für uns selbst, für jeden der unsere Arbeit zu schätzen weiß. Und hier setzt Susanne an. Sie hat die Blogwelt aufgerufen einen Online Katalog zu erstellen. Mit Fotos der Hobbynäherinnen in selbst genähten Klamotten oder getragener Fairwear (denn spätestens beim Thema Schuhe wird es schwierig).

Ende Juli rief sie zum Protest auf, Ende August sollten wir fertig werden mit unseren Bildern. Und heute habe ich es auch endlich geschafft. Nur wenige Stunden vor Abgabetermin. Aber geschafft! Stolz und glücklich dabeizusein mit soooo vielen anderen tollen Frauen. Ich habe genäht, ich habe mich fotografieren lassen und ich blogge darüber.

This is Not Okay - Outfit

Wasserfallshirt Scarlett, Rock Avaritia

Ab morgen wird aus all den Einsendungen ein digitaler Katalog erstellt. Bunt, voller Ideen und wunderbarer Frauen, anklickbar, vielseitig – im wahrsten Sinne des Wortes. Den werden wir teilen und vielleicht doch ein bißchen die Welt verändern.

Verfolgt und gedanklich begleitet hat mich dieses Projekt schon eine ganze Zeit lang. Aber irgendwie kam immer der Alltag dazwischen. Und dann bekam der weltbeste aller Männer mit, dass ich unzufrieden bin. Unglücklich darüber, dass ich es nicht geschafft habe, mir genug Freizeit freizuschaufeln, um mir mein „TiNO – Outfit“ zu nähen. Und was macht er? Schnappt sich kurzerhand beide Kinder und fährt mit ihnen eine Sonntag lang zu den Großeltern. Ich hatte Zeit zu nähen. – Na gut, Zeit, Schnittmuster auszudrucken, zusammenzukleben, abzuzeichnen, Stoff zu zuschneiden, festzustellen, dass ein Fehler im Stoff zu Stoffknappheit führt. Was tun? Aufgeben? Keinesfalls! Neuen Stoff besorgen und das Nähen verschieben? Das könnte scheitern. Die Elfentochter hat noch Ferien und will beschäftigt werden… Die freien Abende sind schon reichlich verplant mit anderen terminkritischen Aufgaben… Hm.

Also, erstmal einen Kaffee trinken. Im Sonnenschein, auf der Außentreppe. Ersatzstoff habe ich mir sicherheitshalber organisiert (1.000 Dank liebe Marion!!!). Aber das muss doch auch so irgendwie gehen!!! Und – es ging. Ärmel kurzerhand auf 2/3 verkürzt, Schnittteile wiederholt hin und her geschoben, jeden Millimeter des vorhandenen Stoffes ausgenutzt und zum Teil mutig leicht schräg zum Fadenlauf zugeschnitten… Et voilà! Es ging! Den wunderbar funkelnden Glitzerstrick zu vernähen war zwar auch nochmal ein Kapitel für sich, aber ich bin schwer verliebt in mein neues Shirt. ❤

Wasserfallshirt Scarlett

Wasserfallshirt Scarlett

Den wunderbaren Rock habe ich bereits vor einiger Zeit genäht. Ein erstes Angstprojekt, in das ich viele Abende Zeit investiert habe. In den Schnitt verliebt hatte ich mich schnell. Aber die Mengen an Stoff haben mich immer und immer wieder abgeschreckt. 😀 3 Meter Baumwolle, Unmengen an Tüll und Schrägband. Und beim Nähen des Unterrocks habe ich mehr als einmal geschimpft. Aber auch hier überzeugt mich das Ergebnis, das ich nun auch endlich mal in Fotos zeigen kann, die nicht mit dem Selbstauslöser fotografiert worden sind. Vielleicht schaue ich mir aber das nächste Mal zwischendrin die Bilder genauer an, damit ich Euch nicht mit schwarzen Füßen und schiefen Rocksäumen belästigen muss. 😉

IMG_6636-m

Rock Avaritia

Die Fotos waren eine Spontanaktion, die der Herzensmann klaglos mitgemacht hat. ❤ Wir versorgen zur Zeit das Traumhaus von Freunden, die ihren verdienten Urlaub genießen. Der hauseigene Pool wurde kurzerhand zur Fotokulisse. Schnell nach Feierabend hinausgefahren, und schön noch die letzte Abendsonne eingefangen. ❤ Der Minisohn hat sich mit der Entdeckung der Wiese beschäftigt, während die Elfentochter nur „Flusen“ im Kopf hatte und ständig neue Ideen hatte, wie sie sich auch aufs Bild schummeln konnte.

Protest kann Spaß machen. Ich weiß, dass  ich damit nicht die Welt rette, aber vielleicht mache ich sie einen Deut schöner. Auch außerhalb der Nähcommunity. Ich kaufe selbst immer noch Klamotten ein, die nicht fair produziert wurden. Für mich, für die Kinder, für den Mann. Aber ich bin noch aufmerksamer geworden. Und das nehme ich aus dieser Aktion mit – und vielleicht gilt das ja für den einen oder andere Leser auch.

Von Herzen, Sandra


Shirt: Wasserfallshirt Scarlett von Pattydoo, Glitzerstrick von Nähtigkeiten
Rock: Wickelrock Avaritia von erbsünde, Baumwolle und Tüll von buttinette
Kleid: Kinderkleid von Klimperklein (noch im Probenähen), Pehemiä Bio-Jersey von der Stoffprinzessin

verlinkt mit mamimade – der Nähbloggerkatalog

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4 Gedanken zu “This is not okay – ein Statement

  1. Ein wunderschönes Outfit liebe Sandra! Das Thema hat mich auch beschäftigt… leider habe ich es dann aber verpasst bei der Aktion mit zu machen.
    Es macht aber Spass, die tollen Ergebnisse (unter anderem deines) zu bewundern.
    Mach weiter so ❤
    Liebe Grüsse, Fenna

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    • Ach Du ❤ Jetzt bin ich ganz verlegen… Wenn nicht so viele Bloggerinnen noch ihren "Ich klinke mich dann doch noch auf der Zielgeraden ein"-Post veröffentlicht hätten, hätte ich es mit Sicherheit auch wieder völlig vergessen.

      Ich bin schon schrecklich gespannt, wie der fertige Katalog hinterher aussehen wird. Bei den Verlinkungen waren ja wirklich umwerfend tolle Bilder dabei. ❤

      Herzlichst, Sandra

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